11.–12. März 2027 | Universität Siegen
Das DFG-Graduiertenkolleg „Folgen sozialer Hilfen“ veranstaltet am 11. und 12. März 2027 an der Universität Siegen die Tagung „SURPRISING FINDINGS – Empirische, method(olog)ische und theoretische Überlegungen aus der interdisziplinären, adressat:innenorientierten Folgenforschung“. Die Tagung wird von Promovierenden des Kollegs organisiert und richtet sich an Forschende unterschiedlicher Disziplinen und Statusgruppen sowie an Studierende insbesondere der Sozialen Arbeit, Soziologie und Psychologie.
„Surprising Findings“
Soziale Hilfen wie Hilfen zur Erziehung, Psychotherapie oder Eingliederungshilfe gehen mit bestimmten Zielen und Erwartungen einher: Sie sollen etwa Teilhabe ermöglichen, Selbstständigkeit fördern oder Belastungen reduzieren. Doch welche Folgen haben sie jenseits des Gewollten? Was geschieht, wenn soziale Hilfen anders wirken oder erlebt werden als vorgesehen – oder wenn sich im Forschungsprozess zeigt, dass unsere Annahmen nicht aufgehen?
„Surprising Findings“ meint zunächst, dass soziale Hilfen Folgen hervorbringen können, die nicht programmatisch vorgesehen oder intendiert sind und je nach Perspektive unterschiedlich bewertet werden. Sie können beispielsweise neue Abhängigkeiten schaffen, Zugehörigkeiten verändern oder Erfahrungen von Stigmatisierung oder Fremdbestimmung hervorbringen. Die Erforschung solcher nicht intendierten Folgen kann damit unerwartete Entwicklungen sichtbar machen und gewohnte Vorstellungen darüber irritieren, was soziale Hilfen bewirken und wie ihre Folgen entstehen. Solche Mehrdeutigkeiten und Abweichungen von Erwartungen können sichtbar machen, was in der Forschung bislang unbeachtet geblieben ist – und neue Fragen an soziale Hilfen und ihre Folgen eröffnen.
Im Mittelpunkt der Tagung stehen darüber hinaus Momente, in denen im Forschungsprozess etwas anders verläuft, als erwartet: wenn sich im Feld etwas anders zeigt als angenommen, Daten nicht zu theoretischen Annahmen passen oder sich ein Befund einer eindeutigen Einordnung entzieht. Überraschungen können dabei nicht nur in den Ergebnissen liegen, sondern ebenso in der Datenerhebung, der Auswertung, der Interpretation oder in der Begegnung mit dem Forschungsfeld.
„Surprising Findings“ bezeichnet daher mehr als ein nicht erwartetes Ergebnis. Überraschungen können Ausgangspunkte für wissenschaftliche Erkenntnis sein: Sie können auf bislang unbeachtete Perspektiven hinweisen, gewohnte Vorstellungen über soziale Hilfen und ihre Folgen irritieren, theoretische Überlegungen erweitern oder methodische Entscheidungen neu in den Blick rücken. Zugleich werfen sie Fragen danach auf, was wir eigentlich erwarten, wenn wir forschen, wie diese Erwartungen unsere Forschung prägen und was sichtbar oder unsichtbar bleibt.
Einreichungen
Wir freuen uns auf zahlreiche Beiträge und einen interdisziplinären Austausch über das, was Forschung überrascht, irritiert und zum Weiterdenken bringt. Willkommen sind insbesondere Beiträge, die empirische Befunde, methodische Erfahrungen, theoretische Überlegungen oder reflexive Perspektiven auf solche Momente zum Ausgangspunkt nehmen.
Weitere Informationen zu den thematischen Schwerpunkten, Beitragsformaten und zur Einreichung finden sich im vollständigen Call for Papers:
Einreichungsfrist: 04.10.2026